IMG_20151109_212140Heute möchten wir euch eine ganz  besondere Rethinker-Story vorstellen.

Ralf  Rasshoff  ist 52 Jahre alt, Topmanager bei einer Bank, Schalke-Fan und Veganer aus Überzeugung.
Wir konnten ihn für eine exklusive Interviewreihe gewinnen.
Im ersten Teil verrät er, was ihn zu dieser Lebensweise bewogen hat und wie er sich trotz seines stressigen Alltags fit und gesund hält.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Ernährungsweise zu rethinken? Oder spielte die gesunde Ernährung schon während ihrer Kindheit eine Rolle?

Ein besonderer Wert auf die Ernährung in meiner Kindheit wurde allgemein nicht gelegt. Aber meine Mutter hat, wie zu dieser Zeit üblich, überwiegend frische Mahlzeiten für Normalköstler zubereitet. Industriell hergestellte Produkte, so wie wir sie heute kennen, gab es noch sehr wenig. Die Menschen lebten dadurch gesünder als heute.

Ich persönlich habe mich schon immer für den Tierschutz interessiert.
Bereits mit 18 Jahren entschloss ich mich deshalb, vegetarisch zu leben.  Während meiner Zeit als Zivildienstleister empfahl mir ein Bekannter ein Buch über Makrobiotik, das sich damit befasst wie man das Leben möglichst lange und gesund gestalten kann, wenn man sich entsprechend ernährt, u.a. auch durch den Verzicht auf tierische Eiweiße. Der menschliche Körper kann theoretisch bis zu 150 Jahre alt werden,wenn die Ernährung und die Lebensumstände stimmen.  Dieses Buch hat mich grundsätzlich noch einmal darin bestärkt meine Ernährungsweise weiter zu optimieren.
Vor drei Jahren habe ich mich nach einem einschneidenden Erlebnis dann entschlossen, konsequent vegan zu leben. Seitdem geht es mir gesundheitlich hervorragend.

Beruflich sind Sie seit Jahren ein erfolgreicher Manager, privat ein begeisterter Fußball-Fan, der auch gern mal ein Bierchen trinkt. Damit entsprechen Sie nicht gerade dem Klischee des typischen Veganers. Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Kombi?

Heutzutage entspricht der typische Veganer nicht mehr dem Klischee des Achselhaarträgers in Jesuslatschen.  Früher wurde man als Veganer für einen Geisteskranken gehalten.
Kollegen wie Attila Hiltmann haben gezeigt, dass die Zeiten sich geändert haben. Er hat den veganen Lifestyle gesellschaftsfähig gemacht.
Letztendlich kann man doch für alles angegriffen werden. Es liegt meiner Meinung nach immer an der Persönlichkeit, entweder ist man Täter oder Opfer. Sehe ich aus wie ein Opfer? (lacht).
Ich selbst muss dagegen immer wieder lachen, wenn mich Menschen auf die Gefahr von Gojibeeren oder Chia Samen hinweisen, während sie ihre 6 Cola-Fläschchen weghauen.
In meinem beruflichen Umfeld ist der Veganismus noch äußerst selten. Bei beruflichen Lunchterminen oder Offsite-Veranstaltungen stelle ich mir eine Auswahl am Salatbuffet zusammen. Da bin ich nicht besonders kompliziert. Generell habe ich während der Arbeitszeit wenig Zeit zum Essen, von daher nehme ich mir Obst und Gemüse oder einen Salat mit und esse oft am Platz.
Für mich stehen täglich ein Apfel, eine Banane und einer meiner Powerriegel auf dem Programm.
Das Rezept stammt von einem Extremsportler.

Für 8 KokosNuss-Riegel:
200 g Datteln
100 g Mandeln
50 g Cashewkerne
50 g Kokosflocken
2 EL Kokosöl (alternativ Sonnenblumenöl, Sesamöl oder ein Nussöl)

Die Nussmischung und Kokosflocken im Mixer mahlen und in eine Schüssel geben. Datteln mit dem Kokosöl im Mixer pürieren. Die gemahlenen Nussmischung und das Dattelpüree mit den Händen verkneten. Die Energieriegel-Masse in eine viereckige Auflaufform oder Plastikbox drücken. Evtl. noch mit etwas Kokosflocken bestreuen und diese etwas andrücken.
Zugedeckt mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank stellen. Anschließend in ca. 2cm x 6cmgroße Stückchen schneiden.
So entsteht  ein rohköstlicher, veganer, zuckerfreier Powersnack, der auch noch super schmeckt.

Zuhause bereite ich auch gerne mal Obst-Smoothie zu. Meine Lebensmittel beziehe ich von Bio-Bauern, im Reformhaus und ab und an auch im Supermarkt. Großen Wert lege ich auf biologische Lebensmittel, wo immer es geht.
Vegan_EiweißAbends koche ich gemeinsam mit meiner Frau. Nach langen Arbeitstagen muss es manchmal aber schnell gehen.
Kennen Sie ein Rezept für ein Linsencurry unter 30 min.? Ich auch nicht – deshalb greife ich dann oft zu Tofu und einem Salat.

Privat kann ich als Fußball-Fan im Stadion inzwischen auf die Versorgung mit veganen Lebensmitteln zählen (zumindest in der Veltins-Arena ;-), da hat sich einiges getan.

Sie haben sich ja intensiv mit einer gesunden Ernährungsweise befasst. Konnten Sie auch Ihr Umfeld dafür begeistern?

Ich bin kein Moralapostel, jeder soll selbst entscheiden, wie er sich ernähren will. 
Meine Frau lebt zum großen Teil vegan, unseren drei Kindern haben wir immer die freie Wahl gelassen.
Von ihnen lebt keiner vegan, das liegt an der Natur der Sache. Wenn ich überzeugter Fleischfresser wäre, hätte ich wahrscheinlich drei Veganer zuhause (lacht).
Das Bewusstsein kommt mit dem Alter. Eine gesunde Ernährung ist auch immer eine Frage des Geldes. Einkäufe im Reformhaus oder Bioladen sind oft teuer, als Student kommt man da nicht immer so weit.
Wenn man versucht, anderen zu helfen, macht man so seine Erfahrungen. Vor einigen Jahren hatte ein dreijähriges Kind aus dem Bekanntenkreis schwer mit Neurodermitis zu kämpfen. Trotz Cortisonbehandlung kratzte das Kind sich permanent blutig. Ich empfahl damals der Mutter des Kindes,tierische Eiweiße für mindestens 6 Wochen aus der Ernährung zu verbannen. Der Vater drohte mir damals damit, mir eine reinzuhauen, ich sollte der Mutter keine Flausen in den Kopf setzen. Zum Glück folgte sie meinem Rat, denn nach sechs Wochen traten tatsächlich keine der Symptome mehr auf.
Trotz veganer Ernährung brach die Krankheit dann jedoch wieder aus. Die Frau hatte sich alles notiert, was ihr Kind zu sich genommen hatte und so begann sie die  einzelnen Lokale abzuklappern, in denen sie gegessen hatten. Es kam dann tatsächlich ans Licht, dass einer der Köche die Trauben mit Fleischbrühe übergossen hatte, da diese dem Obst einen schönen Glanz verleiht. Das muss man sich mal vorstellen…trotz der geringen Konzentration tierischer Bestandteile kam es nach dem Verzehr einiger Trauben zu einem erneuten Schub.
Ich kann aus meiner Erfahrung heraus eine Sache sagen: Wer sich konsequent 100%ig vollwertig, biologisch  und vegan ernährt, der wird i.d.R an keiner Allergie leiden.
Ende aus – Micky Maus!

Wir bedanken uns für das spannende Interview und freuen uns schon auf den nächsten Beitrag.

by Corinna