Natürliche Geburt ohne Ärzte – wie fühlt sich das an?

Natürliche Geburt ohne Ärzte – wie fühlt sich das an?

Wenn man schwanger ist, dann wird man ja grundsätzlich erstmal mit Ratschlägen, Anekdoten und der ein oder anderen Horror-Geschichte überhäuft. Neben Übelkeit, den bevorstehenden schlaflosen Nächten und den gut gemeinten Ratschlägen rund um Ernährung, Erziehung und freien Kitaplätzen ist die Geburt da ganz weit vorn im Rennen.

Soll es spontan, per Kaiserschnitt, mit oder ohne PDA sein?

Was ist schon natürlich

Während meiner Schwangerschaft wollte ich erst einmal überhaupt nichts von Geburten wissen. Das alles kam mir noch so weit entfernt vor, dass ich mich zuerst gefühlt mit tausenden anderen Themen auseinandersetzen musste, die meine zukünftige Elternrolle betreffen.

Fest stand für mich, dass ich gerne – sofern das möglich sein sollte – die Geburt so natürlich erleben wollte wie es geht. Einmal, weil ich auch im Alltag soweit es geht auf Medikamente verzichte und, weil ich meinem Kind einen möglichst positiven Start ins Leben ermöglichen wollte. Das heißt natürlich nicht, dass ich Menschen verurteile, die einen Kaiserschnitt bevorzugen oder sich für Medikamente oder sonstige Hilfsmittel entscheiden. Außerdem ist eine Geburt selbstverständlich nur bis zu einem gewissen Punkt planbar. Die Gesundheit aller steht da an erster Stelle.

Doch was ist eigentlich eine „natürliche“ Geburt. Gemeinhin versteht man darunter ja, dass die Geburt spontan, also ohne äußeren Eingriff, wie zum Beispiel einen Kaiserschnitt, erfolgt.

Nachdem ich mich ein wenig informiert hatte war für mich nicht nur dieser natürliche Weg der, den ich wählen wollte, sondern ich wollte die Geburt auch so sanft wie möglich gestalten in einer möglichst vertrauten Umgebung mit Menschen, die mir bereits bekannt sind.

Das war dann der Grund, weshalb ich mich nicht in einem Krankenhaus, sondern einem Geburtshaus anmeldete.

Dort finden Geburten ohne Medizin, Ärzte und technische Hilfsmittel statt. Man überlässt den Frauen ihren Weg in einer entspannten Umgebung an der Seite ihrer Hebamme, was für mich eine wunderschöne Vorstellung war.

Angst vor den Schmerzen

So weit so gut. Dann waren da ja aber noch diese unglaublichen Schmerzen, die man unter der Geburt ertragen muss. So hört man es zumindest immer wieder. Diesbezüglich weichen die Berichte ja auseinander, da war von: „Du wohnst so weit außerhalb, nicht, dass dein Kind dann im Auto zur Welt kommt.“, bis hin zu: „Manche Geburten dauern 30 Stunden, willst du wirklich so lange im Geburtshaus abwarten?“ bei mir alles dabei. Natürlich entwickelt man dadurch eine gewisse Erwartungshaltung. Davon, dass etwas ganz schreckliches passieren MUSS, denn davon erzählen ja andauernd alle.

Da waren wir nun: Im Geburtshaus

Erst einmal vorab: Wir haben es ins Geburtshaus geschafft und sind auch nicht tagelang dort geblieben J Letztendlich habe ich genau die Geburt erleben dürfen, die ich mir gewünscht habe.

Und, wie fühlt sie sich nun an, die natürliche Geburt?

Ich denke, dass es tatsächlich von Frau zu Frau, Geburt zu Geburt völlig unterschiedlich ist. Wie überhaupt lassen sich Gefühle beschreiben? Sind es nicht subjektive Wahrnehmungen, deren Beschreibung nicht wirklich zu etwas führen?

Bei mir war es so, dass ich ganz instinktiv wusste, was ich bei der Geburt zu tun hatte. Und das war bei mir die Methode: Abschottung. Um mich herum habe ich so gut wie nichts mehr wahrgenommen und mich teilweise in einem trance-ähnlichen Zustand befunden und über ganz alltägliche Dinge nachgedacht, wie den Zustand der Wände Zuhause oder den nächsten Großeinkauf. Ich bin mir sicher, dass die ruhige Atmosphäre in der ich mich befand, dazu beigetragen hat, dass ich das erleben konnte.

Mit ungefähr 6 Stunden Presswehen hatte ich allerdings auch gut etwas zu tun. Eine gewisse körperliche Fitness kann ich also durchaus empfehlen, um die Geburt zu erleichtern. Das Workout war jedenfalls intensiver als ich dachte, trotz täglichem Training bis zum Tag der Entbindung hatte ich  doch noch einige Tage Muskelkater.

Ich war mir die ganze Zeit voll und ganz darüber bewusst was ich gerade leiste, und das das schon bald hinter mir liegen wird und ich dann ein Kind im Arm halte.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Geburt genauso lief, wie ich es mir gewünscht habe.

Du bist großartig!

Sollte ich in diesem Leben noch ein weiteres Mal das Glück haben ein Kind auf die Welt bringen zu dürfen, dann wird es bei mir eventuell auch ein Kaiserschnitt sein müssen. Natürlich werde ich auf diesen genauso stolz sein. Ich bin dankbar für die Erfahrung, die ich machen durfte und möchte allen Mamas dieser Welt, ob nun spontan, per Kaiserschnitt, in 30 oder in 2 Stunden, zurufen: „Du hast ein Kind geboren und deshalb bist du einfach großartig!“

by Julia