Selbstverwirklichung

Wann fängt Selbstverwirklichung eigentlich an?
Ich weiß noch wie ich vor einigen Jahren in einer BWL-Vorlesung saß und wir uns dem Thema Selbstverwirklichung gemäß der Bedürfnispyramide von Maslow widmeten.
Dabei stellt Selbstverwirklichung einer der Wachstumsbedürfnisse dar, die nur eintreten können, wenn die unteren Stufen der Pyramide – Grundversorgung, Sicherheit und soziale Bedürfnisse – die sogenannten Defizitbedürfnisse befriedigt sind. Erst dann setzen die Individualbedürfnisse, wie Erfolg oder Anerkennung und als letzte Stufe die Selbstverwirklichung ein. Maslow definierte dies als Erkennen und Ausschöpfen des eigenen Potenzials, das niemals komplett befriedigt werden könne.
Damals ahnte ich noch nicht, was dieses Thema einige Jahre später in mir auslösen würde 🙂

Der innere Wandel
In unserer Wohlstandsgesellschaft bekommt die Selbstverwirklichung eine immer größer werdende Bedeutung.
Jeder von uns strebt danach und möchte sich selbst verwirklichen… durch die Liebe unseres Partners/ Familie/ Freunden, den Job, Hobbies & Projekte, ein Yogawochenende, eine Weltreise usw.
Aber Selbstverwirklichung ist es ein langer, steiniger Weg, der ein erhebliches Maß an Durchhaltevermögen und Biss erfordert. Es ist die Kunst, im gesamten Verlauf Willensstärke zu zeigen sowie sich genau zu vergegenwärtigen, warum wir etwas wollen und was uns im Innersten antreibt.

Rethinker
Dieser Weg beginnt mit einer intensiven und selbstreflektierten Auseinandersetzung der eigenen Persönlichkeit.
Ich arbeite inzwischen ca. 10 Jahre in der Wirtschaft. Während dieser Zeit habe ich eine Ausbildung absolviert, mein Studium beendet. Nebenbei zahlreiche Jobs und Praktika gemacht, um anschließend vor einigen Jahren als Angestellte zu starten. Relativ früh merkte ich, dass ich mich nach mehr sehnte. Meine Arbeit ging mir leicht von der Hand, führte jedoch zu keiner tiefergehenden Erfüllung. Ich war auf der Suche, aber wusste nicht nach was. In dieser Zeit füllte ich mich nicht leer oder verzweifelt, sondern eher rastlos.
Begegnungen mit anderen Menschen öffneten mir nach und nach die Augen, insbesondere der Verlust eines nahestehenden Menschen nach schwerer Krankheit rüttelte mich innerlich wach. So schmerzhaft  die Trennung war, umso deutlicher spürte ich nach der Trauer, was ich wollte. Ich wünschte mir etwas von dem Gelernten weiterzugeben, um anderen dadurch zu helfen. Während des Krankheitsverlaufs hatte ich mich intensiv mit Ernährung und seelischer Gesundheit auseinander gesetzt und ein Jahr später meine angeborene Neurodermitis komplett unter Kontrolle. Ich begriff dadurch, wie viel man zur richtigen Zeit durch kleinere Umstellungen bewirken konnte. Julia und ich führten viele Gespräche über die mentale und physische Gesundheit. Immer mehr Menschen aus unserem Umfeld sprachen uns an und wir fassten den Entschluss in Form von diesem Blog unser Wissen weiterzugeben.

Was seitdem passiert ist…
selbstverwirklichungDas Ganze ist jetzt zwei Jahre her. Immer wieder erreicht uns positives Feedback von Lesern, Freunden und Bekannten, denen es heute besser geht. Ein wunderschönes Gefühl, das mich sehr erfüllt und zu einem viel ausgeglichener und zufriedeneren Menschen macht.
Wer einen ähnlichen Weg verfolgt, der wird vielleicht selbst bemerken, dass Enttäuschungen und Misserfolge, seien sie beruflicher oder zwischenmenschlicher Art einen nicht mehr so treffen wie früher. Man wächst an seinem eigenen Projekt und steht anders hinter seinen Entscheidungen. Ich habe sehr viel über meine Stärken und Schwächen gelernt und gehe anders mit Kritik um. In den letzten Jahren habe ich mich neu zu erfunden, gelernt Dinge dynamischer zu sehen und kann heute sagen, dass ich den „richtigen“ Weg für die nächsten Jahre gefunden habe. Das ermöglicht mir eine innere Balance zwischen Beruf und „Hobby“, ohne das Gefühl zu haben Zeit zu verlieren.

Ich bin sehr dankbar dafür in einem Land zu leben, in dem ich den Luxus habe mir überhaupt Gedanken darüber machen zu können, das steht leider immer noch viel zu wenigen Menschen weltweit zu. Es ist ein Privileg, an dem wir nicht verzweifeln, sondern die Chance ergreifen sollten.

by Corinna

Pics by Mary Sur Photography